Forscher finden neuen Zusammenhang mit zellulärer Müllabfuhr: Stressfaktor reguliert Fettleibligkeit

Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und das Universitätsklinikum Bonn konnten vor Kurzem erstmals einen Stressfaktor im Gehirn direkt mit dem zelleigenen Recyclingprogramm und Fettleibigkeit in Verbindung bringen. Dies vermeldeten beide Institutionen übereinstimmend im März dieses Jahres. Die Forschenden verwiesen darauf, dass somit potenziell ein vollkommen neuer Ansatz zur Behandlung stressinduzierter Stoffwechselerkrankungen ermöglicht würde.

Konkret geht es um ein bestimmtes Eiweißmolekül mit der sperrigen Kennzeichnung FKBP51. Von diesem Protein wissen Forscherinnen und Forscher schon länger, dass es in Zusammenhang mit depressiven Erkrankungen und Angststörungen steht: Laut Universitätsklinikum Bonn ist es an der Regulierung des Stresssystems beteiligt. Sei dieser Mechanismus gestört, könnten psychische Erkrankungen entstehen.

Nun haben die Forschenden am Max-Planck-Institut (MPI) für Psychiatrie und des Universitätsklinikums Bonn (UKB) in einem gemeinsamen Vorhaben eine neue überraschende Rolle des Proteins entdeckt: „Es fungiert als molekulares Bindeglied zwischen dem Stressregulationssystem und Stoffwechselvorgängen im Körper. Ein zentraler Mechanismus in diesem Zusammenhang ist die Autophagie, die zelluläre Müllabfuhr“, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Autophagie ist das Recyclingprogramm der Zelle, um alte oder beschädigte Proteine zu beseitigen. Es kann dadurch Alterungsprozessen entgegenwirken und – wie wir jetzt zeigen konnten – Fettleibigkeit verringern“, so Nils Gassen, Leiter der Forschungsgruppe Neurohomöostase der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKB, einer der Projektleiter. Mathias Schmidt, Projektleiter vom MPI für Psychiatrie, ergänzt: „Dass der Stressfaktor FKBP51 im Gehirn ein Master-Regulator für Autophagie und damit Fettleibigkeit ist, eröffnet eine Reihe von neuen Interventionsmöglichkeiten, von der pharmakologischen Manipulation des FKBP51-Proteins bis hin zu Autophagie-induzierenden Fastenkuren oder Sportprogrammen.“

Beide Institutionen verweisen darauf, dass die Möglichkeiten, die die neuen Erkenntnisse eröffneten, vielseitig seien. „Gerade in Zeiten einer weltweiten Pandemie wird deutlich, wie stark unkontrollierbarer Stress unsere Psyche und unseren Körper beeinflusst“, lautet es aus beiden Häusern übereinstimmend. Wichtig ist: Jede Frau und jeder Mann könne Prozesse wie die Autophagie durch einen aktiven Lebensstil und ausgewogene Ernährung selbst positiv beeinflussen.


Die Originalveröffentlichung heißt: “Mediobasal hypothalamic FKBP51 acts as a molecular switch linking autophagy to whole-body metabolism” der Autoren Alexander S. Hausl*, Thomas Bajaj*, Mathias V. Schmidt+ and Nils C. Gassen+ (* geteilte Erstautorenstelle; + geteilte Letztautorenstelle) et al.

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